Kaddy in Tanzania vom 26.9.2010 bis 11.3.2011

Sonntag, 19. Dezember 2010

Bado nipo nipo kwanza

Hallo,
Lange musstet ihr auf meinen nächsten unterhaltsamen Blogeintrag warten. Es ist irgendwie nicht viel Besonderes passiert. Der Alltag holt mich ein. Ein normaler Tag beginnt bei mir meistens um 7h morgens. Bei euch in Deutschland ist es dann 5h. Nach dem Aufstehen wird erst mal geguckt ob Strom vorhanden ist. Wir hatten schon lange keine Stromausfälle mehr. Wenn, dann gab es nur einen Ausfall von wenigen Minuten. Ich stehe also auf und check meinen Mehrfachstecker ob er blinkt. Wenn ja, stehen die Chancen nicht schlecht für Kaffee. Es folgt der nächste check: Gibt es Wasser? Ich drehe den Wasserhahn auf und freu mich, wenn es funktioniert. In den letzten zwei Wochen gab es immer Wasser und das macht mich immer sehr glücklich. Denn ich weiß, wie schlimm es ohne Wasser ist. Ich bin schon mal bei Joyce duschen gegangen, weil wir keins hatten. Zurück zu meinem morgendlichen Ritual. Wasserauffüllen im Wasserkocher brauche ich nicht, das mache ich schon abends, in weiser Voraussicht, dass es ja einen Wasserausfall geben könnte. Wasserkocher wird angemacht  und in der Zeit in der das Wasser heiß wird, gehe ich duschen. Ich dusche immer gerne warm morgens, nachmittags allerdings auch manchmal kalt, wenn es sehr heiß ist. Warme duschen gibt es nur, wenn Strom vorhanden ist. Nach dem Duschen wird Kaffee fertiggemacht und solange er ein wenig erkaltet, damit er geniessbar wird, wird sich angezogen und Haare gebürstet. Ich schminke mich nur selten hier in Afrika. Zum Beispiel, wenn ich eine Präsentation habe, möchte ich gerne sehr schick aussehen. Es werden sogar Noten für das äußerliche Erscheinungsbild verteilt bei manchen Lehrern. Präsentationen gibt es nur in Gruppen und man möchte ja nicht die einzige in der Gruppe sein, die nicht schick ist. Zurück zum morgendlichen Fertigmachen. Ich gehe wenn alles gut läuft fünf Minuten vor Unterrichtsbeginn aus dem Haus und stolpere verschlafen zum Vorlesungsraum. Stolpern ist echt das richtige Wort für meinen Uni-Weg, denn es gibt nur ziemlich schlechte Sandwege.auf dem Campus. Hin und wieder liegt da ein Stein oder es findet sich plötzlich eine Wurzel, die als perfekte Stolperfalle dient. Am besten finde ich das Loch im Boden, das als Mülleimer fungiert. Im Dunkeln kann man da auch wirklich hineinfallen. Ich habe mir zwar schon angewöhnt auf den Boden zu gucken, aber früh morgens bin ich manchmal unkonzentriert. Man sollte hier auch einfach immer nur langsam laufen. Die Straßen erlauben es nicht, schnell zu hetzen. Leider muss ich mich morgens aber immer beeilen. Bestimmt amüsieren sich die Afrikaner darüber, wie ich tollpatschig zu Fuß unterwegs bin, aber sie zeigen es nicht. Wenn ich stolper und mein Schuh dabei kaputt geht (ist mir schon hin und wieder passiert. Die Massai-Schuhe die ich trage sind auch nicht so stabil), kassiere ich auch immer ein mitleidiges „Pole“.* Zum Glück kann ich die Schuhe für weniger als 20ct reparieren lassen. In dem Vorlesungsraum angekommen, begrüße ich meine Freunde. Sehr selten bekomme ich das morgendliche Gebet mit. In manchen Vorlesungen, die von Nonnen oder Pastoren gehalten werden, wird halt vorher gebetet. Dafür bin ich aber oft einfach zu spät. Während der Vorlesung höre ich natürlich zu. Manchmal schreibe ich auch SMS. Ich hatte vergessen, zu erwähnen, dass ich manchmal schon morgens im Bett eine „Extreem-SMS“ schicke. Mein Mobilfunk-Provider bietet 100 SMS für 400 Shillingi an. 400 Shillingi sind ca 20ct. Die SMS sind zwar limitiert auf einen Tag aber es lohnt sich. Normalerweise kostet eine Nachricht 50 Shillingi. Und ich schreibe mehr als 8 SMS pro Tag…
Na ja was mach ich noch so den ganzen Tag? Freunde besuchen, mich unterhalten, in die Stadt fahren, mir Gedanken um meine Forschungsarbeit machen… 

Ich treffe auf dem Campus immer wieder Leute die mich kennen, ich sie aber nicht. Meistens sind es männliche Personen, die mich ganz euphorisch Begrüßen. Eine Konversation lief am Anfang meiner Zeit in Tansania ungefähr so ab:

Typ: „Heeey Catherlyn!!!“ (Manche hier verwechseln das „L“ und das „R“, zum Beispiel die Menschen, die den Sukuma-Stamm angehören. Und sie denken, dass man meinen Namen englisch aussprechen muss. In der Tansanischen Version heißt Katharina aber auch Katharina. Das verstehen die aber einfach nicht, dass mein Name genauso ist. Das mit dem "L" ist witzig, habe sogar schon SMS bekommen, in denen mein Name wirklich so geschrieben wurde)
Ich: „Hello“
Typ: „How are you?“
I: “I’m fine, thank you, how are you?”
T: “I' good. My name is Innocent.” Oder auch: Goodluck, Godlisten, Evergreen, Happyness, Mambo-Leo (was Hallo, wie geht’s - Morgen auf Kiswahili heißt) etc… diese Namen sind echt beliebt.
I: Oh, nice to meet you. Do we know each other?
T: No, I just wanted to greet you. Only want to get to know you, that we can share Time, have conversations…
I: Ohw ok…
T: Where are you from? (das weiß er schon längst, er will nur ne Konversation starten)
I: Im from Germany.
T: Ahhh from German. (Die verstehen auch nicht, dass ein Unterschied zwischen German und Germany besteht, man weiß nicht warum) How is German? Is it like in Tanzania?
I: No it is totally different. You can’t compare.
T: Do you like Tanzania?
I: Yeah, I love it. I really enjoy my time here.
T: hört nicht auf mich auszufragen… "Do you have Power-Cutoffs in Germany? Do you have Tribes  over there?" Ich erkläre, das es in Deutschland keine Stromausfälle gibt und auch keine Stämme...
Irgendwann kommen dann Fragen wie: „Can you imagine to marry a Tanzanian guy?”
I: „Bado nipo nipo kwanza“ (Das heißt so viel wie „ich bin noch nicht bereit fürs heiraten“ diesen Satz halte ich für sehr wichtig zu wissen)

So das war erst mal wieder von mir. Ich bin übrigens gerade in Dar es Salam, der größten Stadt in Tansania. Sie liegt an der Küste und es ist wunderschön hier. Gestern sind wir angekommen. Ich schreibe demnächst genaueres. Bye…

*heißt so viel wie „Sorry“. Damit drückt man sein Mitleid aus.

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