Kaddy in Tanzania vom 26.9.2010 bis 11.3.2011

Sonntag, 17. Oktober 2010

Sava!

Die letzten Tage waren echt sehr erfolgreich. Ich komme nach und nach immer besser mit der Sprache und den Vorlesungen zurecht. Mittlerweile wurde auch endlich die schreckliche Konstruktion aus dem einen Seminarraum entfernt. Allerdings betrachte ich die Lernsituation im M9 immer noch als äußerst gefährlich. Komischerweise sind alle Studierenden besonders heiß darauf, ganz vorne zu sitzen, um alles verstehen zu können. Um dies zu erreichen warten sie einige Minuten bis sie rein dürfen. Wen die davor stattfindende Vorlesung endet, wartet keiner, bis die Vorigen Seminarteilnehmer den Raum verlassen haben, sondern es herrscht ein furchtbares Gewusel, auf Grund von herein- und herausdrängelnden Menschen. Es gibt auch keinen wirklichen Durchgang, es wird einfach über Stühle und Tische gestiegen. Na ja… Und im Seminar herrschten Verständigungsprobleme. Die Dozentin kam aus Kenia und hat einige Wörter anders ausgesprochen, als Tansanier. Wörter wie „age“ mussten buchstabiert werden. Für mich war das sehr komisch, denn ich hab wirklich keinen Unterschied gehört. Für meine Ohren sind alle Dozenten gleich schwer zu verstehen.

Zurück zu den erfolgreichen Dingen. Ich bin mir nun sicher, was für ein Thema ich in der Bachelorarbeit nehmen möchte. Es hat was mit Tansania zutun, ich verrat aber noch nicht alles. Habe schon in Vechta erfragt, ob das möglich ist. Jetzt bin ich sehr glücklich, ein Thema gefunden zu haben, dass mir Spaß macht.

Das Spiel*
Moni und Yanga-Fans

Gestern haben wir ein Fußballspiel besucht. Das Stadion war nicht zu vergleichen mit denen in Deutschland. Wir mussten uns an eine riesige Schlange anstellen. Wer vorgedrängelt hat, erhielt wenn er Pech hatte Hiebe mit dem Schlagstock von der Polizei, welche meiner Meinung nach eine viel zu kleine Präsenz hatte. Zunächst ist alles gut gegangen. Das Spiel begann… Nicht besonders anspruchsvoll aber trotz dem unterhaltsam. Ich entschied mich spontan, „Yanga“ zu supporten (Yanga steht für young africans). Die waren mir sympathisch und außerdem saßen wir in deren Block. Es waren von beiden Teams schätzungsweise gleich viele Fans da. Es ist schwer zu sagen, welches nun die Heimmannschaft war, denn beide Teams kamen aus Dar es Salam und das dafür vorgesehene Feld wurde umgebaut. Erste Halbzeit vorbei… Ermüdent… Simba hatte viele Chancen, da die Verteidigung von Yanga echt Defizite hatte. Der Keeper hatte aber zum Glück alles im Griff. In der zweiten Halbzeit schaffte es mein Lieblingsteam ein Tor zu schießen (Genau wie Hamburg gestern. Es war ein wirklich guter Tag, HSV und Younga gewannen. Meine Laune war wunderbar!). Die Leute sind ausgerastet vor Freude. Mehr Tore fielen nicht. Ich war wirklich froh, dass wir bei der gewinnenden Mannschafft saßen. Nach Abpfiff sind die Leute einfach über die dürftigen Absperrungen gehüpft und über das Spielfeld gerannt.
Alles außer Kontrolle
Man sah anfangs die Polizei noch vereinzelnd Leute verprügeln aber später nahmen die Fans überhand und jeder machte was er wollte. Irgendwo wurde auch Feuer gemacht. Wir haben uns das Spektakel von oben angeschaut und blieben in Sicherheit. Wir sind im Anschluss bei Cisslers was Leckeres essen gegangen und dann zum Villa Park (die kleine Disco hier). Es hat Spaß gemacht zu tanzen. Nur die Penetranten Kerle haben genervt. Wenn man sich die hier vom Hals schaffen kann, dann kann man sich überall wehren! Einer wollte doch tatsächlich, dass ich ihm Geld gebe, damit er sich Bier kaufen kann. Sehe ich aus wie die Alkohol-Wohlfahrt?

Sonnenuntergang über dem Stadion

Letztens habe ich auch eine gute Taktik angewandt, um Jemanden zu zeigen, dass er meine Nummer wirklich nicht bekommt. Ich saß da und einer fragte mich aus, woher ich komme, was ich mache etc. das übliche eben. Nach drei Minuten die Frage, ob er meine Nummer haben kann. Ich sagte nein. Wir unterhielten uns weiter und dann holte er Zettel und Stift raus und sagte, ich solle doch meine Nummer aufschreiben. Da er offensichtlich was an den Ohren hatte, schrieb ich auf das Papier: „I’m sorry, I DON’T give you my number!!!“ Haha sein Gesichtsausdruck war echt gut, als er das las.

Zurück zu gestern. Um drei wollte ich schlafen, konnte aber nicht. Ich entdeckte einen kleinen Besucher an meinem Mückennetz (von innen). Anscheinend wollte ein kleiner Gecko bei mir übernachten. Ich kannte ihn schon, der wohnt in meinem Zimmer. Habe ihm das erlaubt, weil er nämlich ein guter Insektenfänger ist. Den musste ich dann schnell verscheuchen. Mitbewohner ja- aber im Bett schlafen- nein! Ausschlafen war nicht möglich. Die Gottesdienste, die hier über den Campus verteilt stattfinden, sind zu laut. Tansanier lieben es Lärm zu machen und nicht-isolierte Häuser zu bauen. Beides in Kombination bedeutet wenig Schlaf für Kaddy…

Heute sind wir bei einer Verwandten von Octa eingeladen. Er hat sie uns als seine Sister vorgestellt, aber Sister und Brother kann jeder sein. Bestimmt ist es eine Cousine. Denn letztens hat mir einer auch seinen „Bruder“ vorgestellt und es war in Wirklichkeit sein Cousin. Im Verlaufe des Gesprächs stellte sich nämlich heraus, dass die beiden weder die gleiche Mutter noch den gleichen Vater hatten, aber die Väter Brüder seien. Also habe ich mir angewöhnt gleich nachzufragen ob es wirklich ein „Bruder“ ist. Man kann hier einfach jeden so nennen. Bedienungen, Angestellte am Flughafen (Sakina nannten den einen Gepäckfritzen immer Kaka**) etc. Gestern beim Fußballspiel habe ich den kleinen Jungen, der Nüsse als Snacks verkauft hatte auch mit Kaka hergerufen. Er hat das sofort verstanden. Man darf hier auch jeden Mama oder Baba nennen, wenn die Leute älter sind (z.B. die Friseurin Mama-Junior). Na ja zurück zu den Plänen des heutigen Tages. Eingeladen zum Mittagessen bei Sonja und zum Abendessen bei Nonnen, die Jakob irgendwoher kennt. Wird bestimmt nett. Ich mag Sonntagseinladungen. Letzten Sonntag waren wir bei Maria-Salome eingeladen, der Frau von George (mein Kiswahili-Dozent, der sich jetzt wieder in Deutschland befindet). Die beiden Töchter waren echt süß! Georgette und Georgina (so heißen die Beiden glaub ich. Btw: es ist üblich die Töchter nach dem Vater zu benennen. Wenn ich mich vorstelle, werde ich auch häufig gefragt, ob Katharina der Name meines Vaters sei) haben sich riesig über die Schokolade und Süßigkeiten gefreut, die wir mitgebracht haben. Sie sagten immer „Schockschockschock“. Süß!!

So ich trink dann noch einen Kaffee (juhu ich hab nämlich nun welchen) und mach mich für die Einladung fertig. Bis bald!

*Vom Berg aus haben auch noch welche zugeguckt
** Bruder auf Kiswahili

Donnerstag, 14. Oktober 2010

Sentimental

unser Häuschen
Ja der Morgen ist mit schlechter Laune begonnen. Ich stand auf und freute mich als erstes über Elektrizität und erwartete, dass ich eine schöne warme Dusche geniessen konnte, da ich davon ausging, dass fließend Wasser verfügbar ist. Wir hatten einen kurzen Ausfall gestern, jedoch war gestern Nachmittag alles wieder in ordung. Ich drehte an meinem Wasserhahn und leider gab es kein Wasser. Schon wieder musste ich mich mit einem Eimer Wasser begiessen... Wunderbar... Ich reg mich aber nicht darüber auf, ich bin sehr froh über unsere schöne Bleibe. Ausserdem ist auf dem Ganzen Campus kein fließend Wasser verfügbar, jeder einzelne Student hat damit jetzt zu kämpfen. Ich habe gehört, dass sie wohl die Leitungen renigen.

Ausblick zum Pool des Tilapia-Hotels
Gestern genossen wir einen Ausflug zum Tilapia Hotel. Oh war das schön! Ich aß schon wieder Fisch. An die unorganisiertheit der Kellner und die langen Wartezeiten habe ich mich schon gewöhnt und irgendwie abgefunden. Bringt nichts, sich darüber aufzuregen. Ich genoss einfach den schönen Abend und die schöne Aussicht. Die Konversationen waren wie meistens tiefgründig. Ich habe schon gestern gesagt, dass ich irgendwie auch mal etwas seichtes, nicht so Tiefgründiges brauche. Manchmal ist es belastend, sich immer nur mit ernsten Angelegenheiten zu beschäftigen. Einfach mal wieder eine Daly-Soap gucken oder so... das wärs!

Die Gemeinschaft unter uns Uni-Vechta Studenten gibt mir viel Kraft und ich bin sehr froh, dass ich nicht alleine bin. Ansonsten wär bestimmt einiges schwieriger für mich. Manchmal muss ich mich aber auch zurückziehen, denn ich bin es nicht gewohnt, ständig unter Leuten zu sein.
Heute und gestern Abend war das erste mal, dass ich etwas Heimweh hatte. Ich lag im Bett und wollte schlafen und habe mich irgendwie nach Duetschland und nach alten Zeiten gesehnt. Und als dann Heute Morgen das Wasser fehlte erst recht. Aber es ist nicht schlimm, das gehört bestimmt dazu. Es liegt sicherlich da dran, dass ich nichts zutun habe. Wollte eigentlich Wäsche waschen, was aber leider aus gewissen Gründen nicht geht... Heute ist nebenbei auch keine Uni wegen des "Neyrere-Days". Neyrere ist der erste Präsident Tansanias und der Vater der Demokratie in diesem Lande. Ich wurde von lauten Lautsprechern geweckt, denn hier findet eine feierliche Zeromonie statt. Ich werde später vielleicht vorbeischauen. Vorhin lief aus deren Boxen überraschender Weise sogar deutsche Musik: Monrose mit "even heaven cries". Das hat meine sentimentale Stimmung zusätzlich verstärkt.

Keine Sorge- das geht vorbei. Ich freu mich unheimlich, dass es hier so warm ist. Sonne tut meiner Haut gut! Ich habe mir übrigens auch die Haare machen lassen in "Mama-Juniors Hairsalon". Gefällt mir gut. Dies war eine echt amysante veranstaltung. Alle wollten meine Haare anfassen, weil sie anscheinend sehr selten echte glatte Haare zu Gesicht bekommen. Es sind sogat Kinder reingelaufen die fix in meine Haare reingriffen und ganz schnell wieder abgehauen sind. Es war ungewohnt für mich, eine solche Attraktion zu sein...

Das wars erstmal von mir. Ich wünsche euch alles Gute im kalten Deutschland. Viele warme Grüße aus Afrika! Ich vermiss euch!!


ps: Ja Mama, besonders DICH :)

Mittwoch, 13. Oktober 2010

Pole-Pole?


Also wie ich in vorigen Einträgen schon mehrmals erwähnte, sind in diesem Land mehrere Gegensätze zu beobachten. Im Allgemeinen geht es dank der Pole-Pole Philosophie der Tansanier recht entspannt zu. Wenn etwas lange dauert, z.B. an der Kasse und sich ein Europäer darüber aufregt, dass er seine Wertvolle Zeit damit verschwenden muss, an der Kasse zu warten hört man einen Tansanier „Pole-Pole“ sagen. Dieser Spruch ist die Antwort auf alles. Elektrizität geht nicht? „Pole-Pole“. Kein fließendes Wasser?!?! „Pole-Pole“. Keine Aufregung und keine Hektik. Unser Nachbar, ein Gastdozent aus Benin (kleines westafrikanisches Land), der nun aber in einer Universität in Italien beheimatet ist, ärgert sich oft über diese Philosophie. Er meint, in Europa habe er gelernt, seine Zeit sinnvoll einzusetzen und effektiv zu nutzen. Er regte sich heute darüber auf, dass er 20 Minuten gebraucht hat sich lediglich Guthaben für sein Handy zu kaufen. Die Kassiererin soll sich anscheinend so langsam bewegt haben wie eine Schildkröte. Als er sich ärgerte sagte eine umher stehende Nonne „Pole-Pole“ um ihn zu beruhigen. Das hat ihn anscheinend noch mehr auf die Palme gebracht. Man kann nicht alles mit diesem Spruch besänftigen. Wie soll sich dieses Land entwickeln, wenn alles so langsam von Statten geht??
Die Arbeitseinstellung der Tansanier ist äußerst seltsam. Offensichtlich ist es erlaubt, zu arbeiten wenn man Lust hat. Die Büros in der Uni haben manchmal nicht geöffnet und man weiß nicht warum. Es kommen antworten wie: Es gab eine Zeremonie, Stromausfall etc. Aber wozu Strom, wenn eh alles mit Zettel und Stift funktioniert?? Einer in der Cafeteria, der dafür zuständig ist, die Obstteller einzusammeln, hält auch gerne mal ein Nickerchen im Schatten. Es interessiert auch überhaupt keinen, wenn die herumliegenden Teller Überhand nehmen.
Komischerweise gibt es aber Situationen, in denen es sehr schnell gehen muss. Wie ich letztens schrieb, ist es möglich, nach einer kurzen Konversation im Dala-Dala befreundet zu sein. Auch eine Beziehung beginnen kann so schnell gehen (wurde mir erzählt).

Vor einiger Zeit bauten Arbeiter an einem Dach eines Seminarhauses. Dieses musste schnell fertig werden, damit gewisse Vorlesungen stattfinden konnten. Dieses Haus ist nicht weit von meinem Guesthouse entfernt, so dass ich immer hören konnte, dass sie da hämmerten. Manchmal arbeiteten die armen Bauarbeitet bis tief in die Nacht (3 oder so). Da war kein Pole-Pole angesagt. Wahrscheinlich hat der Präsident Druck gemacht. Vor zwei Tagen war es dann fertig. Als ich dann auch ein Seminar zum Thema Ethik in dem Gebäude besuchen wollte, traute ich meinen Augen nicht. In Deutschland hätten sie aus Sicherheitsgründen keinen einzigen Studenten hineingelassen. Es lagen Steine herum, zwei Gerüste aus Holz, die aussahen, als ob sie bei der kleinsten Erschütterung zusammenbrechen würden. Keinen hat diese furchtbare Lernsituation gestört. Anscheinend waren die Arbeiter zu faul, die Dinge nach Beendigung der Dacharbeiten wegzuräumen. Wenn ich den Präsidenten der Uni begegne werde ich ihn mal fragen was da los ist. Ich vermute, dass er über die Umstände nicht Bescheid weiß.

Na ja der Tag begann komisch. Ich wachte auf und wollte duschen. Leider gab es kein fließendes Wasser. Nun wusste ich endlich über welchen Zweck der riesige Wasserbottich in meinem Bad verfügt. Ich fand ein kleines Eimerchen, mit dem ich Wasser über meinen Körper gießen konnte. Ziemlich gute Erfahrung, sich mal so zu waschen…
Gestern und vorgestern hatten wir einige Stunden Stromausfall. Die Cafeteria konnte trotz dem Essen anbieten, da dort noch mit Kohle und Feuer gekocht wird. Anstatt Glühbirnenlicht gab es in den dunklen Stunden Kerzen, die Licht zum Essen spendeten.

Heute Abend gehen wir ins Hotel Tilapia um zu essen. Darauf freu ich mich schon. Ich werde keinen Reis und keine Bohnen wählen! Bis bald.

Montag, 11. Oktober 2010

Universtiy life begins...


Bericht über die ersten zwei Wochen:

Lange habe ich nicht mehr geschrieben, richtig. Komischerweise habe ich kaum Ruhe gefunden. Außerdem erhalte ich so viele Eindrücke, dass es manchmal schwierig ist, diese zu sortieren.
Zunächst zu meinem allgemeinen Befinden (das ist einfach): Freitag habe ich zu den Mädels gesagt, dass ich mich irgendwie viel besser fühle als in Deutschland. Ich bin zum Teil so glücklich, dass ich mir selbst etwas auf die Nerven gehe (Leute die mich kennen, wissen, dass mich übertriebene Fröhlichkeit nervt). Kummer und Sorgen, die mich in Deutschland beschäftigten, sind wie verschwunden. Ich weiß nicht genau, was es ist. Ist es das Wetter? Die Menschen? Ich habe echt keinen Schimmer. Ich schlafe viel besser, bin ausgeglichener und entspannter. Außerdem ist mir aufgefallen, dass meine Faulheit stark gesunken ist. Ganz automatisch bin ich viel disziplinierter geworden. Ich bin nicht mehr so chaotisch, bin pünktlich (was hier oft überflüssig ist, da viele sehr unpünktlich sind) und stehe früh auf. Was ist bloß mit mir los???

Ich bin unglaublich froh darüber, dass ich so viele liebe Menschen hier kennenlernen durfte in diesen ersten zwei Wochen. Samstag waren wir Austauschstudenten (wir sind eine Gruppe aus vier Deutschen und einer Studentin aus Finnland, die auch deutsch kann und deswegen oft für eine Deutsche gehalten wird) bei Octavian eingeladen. Er hat uns anfangs geholfen, uns an der Uni und in der Stadt zurechtzufinden. Er feierte seinen Abschied mit seinen Freunden und seiner Familie, da er jetzt nach Deutschland gereist ist um in Vechta zu studieren. Es war eine wunderbare Feier. Es gab Essen und Geschenke und viele nette Unterhaltungen. Octa hat eine hübsche Frau und eine echt süße bald 2-Jährige Tochter. Wir haben uns sehr wohl gefühlt. Er meinte, dass er uns als seine neuen Freunde schätzt und wir zu seiner Familie gehören. Süß, oder?? Er tut mir etwas leid, da ich genau weiß, dass es in Deutschland nicht üblich ist, jemanden nach so kurzer Zeit als seinen Freund zu bezeichnen. Die Distanziertheit der Deutschen ist bestimmt ungewohnt für ihn. Ich hoffe, dass er nette Leute trifft, die schnell auf ihn zukommen.

Und nun ein kurzer Bericht über die ersten Lehrveranstaltungen: Veranstaltungen wie „Economic Sociology“ sind nun nicht besonders anders wie die in Deutschland. Inhaltlich wird über die üblichen Vertreter gesprochen (Max Weber etc.). In Veranstaltungen wie „Sociology of Marriage and Family“ stoßen wir auf große inhaltliche Unterschiede. Es wird diskutiert, dass es in TZ üblich ist, dass der Mann das Oberhaupt der Familie ist etc. Überdies ist es in diesem Land möglich, dass ein Mann mehrere Frauen hat (wobei ich mir nicht sicher bin, ob es in jedem Stamm geht). Typische patriarchale Sozialstruktur eben…  Als wir Europäerinnen gefragt wurden, wie es in unserer Kultur aussieht, und wir erklärten, dass eine Frau rechtlich dem Mann gleichgestellt ist wurde dies nickend zur Kenntnis genommen. Doch als wir erzählten, dass in Deutschland sogar Frau und Frau oder Mann und Mann heiraten können, sorgten wir für viel Aufruhe. Außerdem unterliegen wir keinem sozialen Druck, dass wir heiraten müssen.  Ich denke, diese Veranstaltung wird sehr interessant…
Ob ich denn alles verstehe? Ja überwiegend. Wie erwähnt, ist der Dialekt gewöhnungsbedürftig. Aber mit der englischen Sprache an sich komme ich gut zurecht.

Ich werde häufig aus Deutschland gefragt, wie die Männer hier so sind. Ich werde dieses Thema nur ein EINZIGES Mal, und zwar NUR dieses Mal behandeln:
 Also: die kommen oft zu uns, egal ob Jakob oder andere männliche Individuen bei uns sind, und fragen uns aus, woher wir kommen und wie wir heißen und so weiter (dies schreibe ich um auszuschließen, dass die gewisse Absichten haben, denn das glaube ich in den meisten Fällen nicht). Ich denke es ist reine Neugierde und das Temperament der Afrikanischen Menschen, sich einfach miteinander zu unterhalten, obwohl man sich nicht kennt. Studentinnen sind auch sehr interessiert aber manchmal schüchterner. Keine Angst es nervt überhaupt nicht. Zurück zum Verhalten der Männer:  Manchmal wundern wir uns sehr, da sie ziemlich schnell nach der Handynummer fragen (das passiert Jakob auch quasi täglich, dass er von Kerlen nach der Telefonnummer gefragt wird). Natürlich bin ich da vorsichtig. Um zu gucken was passiert (Untersuchung eines soziologischen Phänomens versteht sich), hab ich meine neue tansanische Nummer mal weitergegeben (falls es nervt kaufe ich mir einfach eine neue Simcard, die sind sehr billig).  Mein Experiment zeigte, dass man offensichtlich manche männlichen Studenten hier nicht ernstnehmen kann. Conny (sie ist auch aus Vechta und arbeitet hier an einer Schule) hat ähnliche Erfahrungen gemacht. Es ist wirklich sehr amüsant. Dieser Typ, der nun über meine Handynummer verfügt, traut sich zum Beispiel nicht, in der Mensa zu mir zu kommen um mich zu begrüßen, wenn ich mit anderen esse, sondern ruft mich aus fünf Meter Entfernung an. „Andere Länder, andere Sitten“ oder wie sagt man?
Ein Jura Student namens Richard sprach mich im Dala-Dala an. Im Dala-Dala wird sich auch immer einfach so unterhalten, obwohl man sich nicht kennt, da man ja eh schon für uns Europäer ungewohnt engen Körperkontakt hat (wird ja bis zum letzten Zentimeter vollgequetscht). Richie hat eine angenehm zurückhaltende Art verglichen mit anderen Tansaniern. Wir unterhielten uns über dies und das und zum Schluss fragte er wie erwartet auch nach meiner Nummer. Ich erklärte, dass ich zum Schutz meine Nummer nicht weitergebe, was er als gute Sache beurteilte.  Abends erzählte ich Conny von ihm. Wie der Zufall es wollte begegneten sich Richard und Conny am folgenden Tag und es machte bei ihr sofort klick, als Richie sich als Jura Student vorstellte und sie bemerkte, dass meine Beschreibung auf ihn zutraf. Als die beiden über mich sprachen, meinte Richie zu ihr: „ahhh Katharina, ja genau ich kenn sie, sie ist eine gute Freundin von mir…“. Lustig oder? Es scheint hier wirklich üblich zu sein, Jemanden nach ziemlich kurzer Zeit als Freund/in zu bezeichnen. Richie begegnen wir öfters und er hat nie wieder nach meiner Telefonnummer gefragt.
Also Zusammenfassend (oder wie ein Gewisser Professor in Vec mit erhobenen Zeigefinger sagen würde: CONCLUSIO): Die sind hier alle nichts für mich. Abgesehen davon, bin ich eh nicht auf der Suche! So, Thema abgeschlossen hehe

Sonntag (bzw. gestern) bin ich mit Conny aus Interesse in die Kirche der St. Augustine University gegangen. Für diese Gelegenheit wählte ich mein für mich genähtes neues Kleid. Ich verstand wenig, da die Messe auf Kiswahili gehalten wird, empfand es trotz dem als eine sehr schöne Veranstaltung. Die Kirche war so voll, dass viele stehen mussten. Als wir ankamen, waren bereits alle Plätze besetzt. Ich wurde aufgefordert mich in die dritte Reihe neben dem Chor zu setzten (also ich stand neben Bass und Sopran/Alt befand sich vorne). Hinter dieser Reihe saßen übliche Kirchenbesucher, jedoch war die schon vollgequetscht wie ein Dala-Dala. Zwar war mir das unangenehm, aber es bringt überhaupt nichts, Angebote dieser Art abzulehnen, da die Menschen hier immer so lange darauf bestehen, bis man das „Geschenk“ nun doch annimmt. Der Platz war ziemlich komisch für mich, weil ich mich recht beobachtet fühlte. Eine Weiße in einem afrikanischen Kleid neben den singenden Menschen… Bei manchen Liedern, die der Chor sang, wurde sich im Sitzen im Takt nach rechts und links bewegt (und dies gilt nur für den Chor). Da es sehr eng war, blieb mir nichts anderes übrig, mitzugehen. Wenn es vorgesehen war zu stehen und dafür ein rhythmischer Tanz bestimmt war, habe ich versucht, schön weit außen zu stehen um diesem „Zwang“ zu entgehen. Muss bestimmt witzig ausgesehen haben…
 Schon wieder genoss ich die engelsgleichen Gesänge. Ich lernte zwar schnell die Lieder, traute mich aber nicht mitzusingen, weil ich die schönen Klänge nicht verhunzen wollte.
Ich sah, wie fröhlich die Menschen waren, obwohl sie echt wenig besitzen. Das hat mich mit tiefer Demut berührt (genau diese Worte benutzte eine sehr gute Freundin aus Cuxhaven, welche vor einigen Jahren in Südafrika ähnliche Erfahrungen gemacht hat). Ich konnte mir das schon vorstellen, als ich noch in Deutschland war, jedoch war es ziemlich überwältigend dies live zu erleben.

Neulich schrieb ich in einer Email: „Jeglichen Luxus und Überfluss sucht man hier vergebens“ mit dem Zusatz, das ich dies überhaupt nicht vermissen würde. Aber ich muss sagen, dass ich mich unpräzise ausgedrückt habe. Es gibt Überfluss, und zwar gewaltigen! Überfluss an menschlicher Wärme, ehrlicher Wertschätzung und Freundlichkeit in aller Form. 
Oh ich werde ja richtig sentimental. Ich werde mal aufhören…
Im nächsten Bolg-Eintrag möchte ich was über die Arbeitseinstellung der Tansanier schreiben. Ist bestimmt lustig. Bis bald!

Dienstag, 5. Oktober 2010

Vizuri Sana!


(geschrieben am 4.10.)

Gruß nach Deutschland! Ach ja, und Gruß an Freunde, die sich in anderen Ländern befinden! In den letzten Tagen hatte ich keine Zeit meinen Blog weiterzureiben und mein prepaid Internetstick ist leider schon aufgebraucht, deswegen kann ich nur sporadisch surfen.
Danke übrigens für jegliche Rückmeldung, dies ermuntert mich weiterzuschreiben.
Also über das Wetter kann ich überhaupt nicht klagen. Es ist hier meist sonnig und warm, so dass ich stets mit sommerlicher Kleidung herumlaufe. Jedoch lasse ich einige meiner Kleidungsstücke in meinem Kleiderschrank, denn ich habe festgestellt, dass es hier überhaupt nicht üblich ist, mit kurzer oder ausgeschnittener Kleidung herauszugehen. Nur in touristischen Ecken, wie z.B. der Tunsa-Lounge ist es „erlaubt“ (dazu später).
Ich wurde öfters nach dem Essen gefragt. Meistens gehen wir in die Cafeteria, nahe unserer jetzigen Bleibe. Die Cafeteria hat den ganzen Tag geöffnet, von 7:30 bis 21h. Es gibt den erwähnten Obstsalat und verschiedene Snacks (Chapati=ähnlich wie Pfannkuchen, Zambuza (s.u.) und andere fritterte Teigwaren, die ich aber nicht besonders lecker finde). Darüber hinaus können wir warme Mahlzeiten genießen. Als Hauptbestandteil der Mahlzeit sind mehrere Kohlenhydratlieferanten verfügbar (Reis, Kochbananen, Ugali=gewürzter Reis und manchmal Kartoffeln). Dazu ist wählbar Fisch (frittiert, sehr lecker), Rindfleisch (gekocht in leckerer Soße) und Huhn, welches ich aber nicht gerne esse, da es zu trocken ist. Als Beilagen gibt es Bohnen, Soße, Spinat und Kohl. Man gibt nicht mehr aus als 60ct für eine Mahlzeit. Typisch sind auch „Chips mayai“, welche wir als Pommes in Rührei bezeichnen. Die muss ich noch probieren, da sie sogar von Deutschen als lecker beschrieben wurden.
Wenn uns das hier verfügbare Essen zu langweilig wird, fahren wir in die Stadt. Dort findet man europäische Kost, jedoch mindestens fünf Mal so teuer, was aber im Vergleich zu Deutschland sehr günstig ist. Kulinarisch bin ich sehr zufrieden. Ich genieße die Scharfen Soßen und exotischen Gewürze. Immer wenn wir in der Stadt sind, esse ich eine Mahlzeit mit Fisch (Tilapia, aus dem Viktoriasee) oder mit Shrimps. Das ist sooo lecker und günstig! Das werde ich bestimmt vermissen, wenn ich wieder in Deutschland bin. Aber es geht auch anders herum. Aktuell fehlt mir Kaffe!!! Den gibt es hier nicht einfach so zu kaufen, jedenfalls nicht an der Uni. Horrible!!! Aber ich habe mich bereits dran gewöhnt einen Chai-Tea zum Frühstück zu trinken.

Am Wochenende haben wir gelebt wie Urlauber.  Freitag waren wir in einem Club Tanzen und wir hatten sooo viel Spaß! Wirklich bewundernswert, wie die hier Tanzen können. Leider muss ich mich dran gewöhnen, dass die Männer hier recht Penetrant sein können. Zum Glück kann ich NEIN sagen, in mehreren Sprachen.
Samstag versuchte ich meinen Studentenausweis abzuholen. Ich fuhr allein mit dem Daladala zum Main-Campus, da Moni und Jakob noch schlafen wollten. Als ich ankam, stellte ich fest, dass Monis und Jakobs schon vom sogenannten „Dean of Students“ unterschrieben waren, meiner jedoch nicht. Pole-Pole…  Nach einigen Diskussionen konnte ich die fertigen Ausweise mitnehmen.
Am Nachmittag war ich noch mit anderen Deutschen Mädels Shoppen. Da die Drei bald fahren, wollten die Mädels viele Souvenirs kaufen. Es war echt aufregend auf dem Markt in der Innenstadt. Ganz anders als in Deutschland. In Deutschland würde nie jemand neben einem Müllhaufen Gemüse auf dem Boden verkaufen. Echt unappetitlich!!! In einer Halle befanden sich viele Stände mit handgearbeiteten Dingen. Trommeln, Figuren in Form von Elefanten oder anderen Tieren, Schmuck oder nützliche Dinge, wie Töpfe oder Trichter. Es war interessant zu sehen, dass Müll in Tansania nicht gleich Müll ist. Sie bauen zum Beispiel diese Trichter aus Cola-Dosen. Während die Anderen sich mich vielem Afrikanischen Schnick-Schnack eindeckten, entschied ich mich für einen schönen Brieföffner mit Elefantenkopf aus Holz, einige Ohrringe, ein Armband aus Giraffenhaar, ein Tuch und eine Schildkröte als Briefbeschwerer. Im Vergleich zu den Anderen war das wenig.
Was haben wir noch tolles erlebt? Also schön war die oben erwähnte Tunsa-Lodge. Dort waren wir am Sonntag. Die Tunsa-Lodge ist ein Resort, an dem sich viele Touristen befinden. Dies Resort verfügt über einen sehr gemütlichen Strand. Wir aßen etwas zum Mittag und sonnten uns. Ob wir auch schwimmen waren? Nein, leider nicht. Zwar ist es erlaubt im Lake Victoria zu schwimmen, jedoch nur auf eigene Gefahr. Ich las von diversen Krankheiten, die man sich dort einfangen kann.
Gegen 18h sahen wir uns die Sonne an, die im Viktoriasee verschwand und einen wunderschönen Himmel bat. Wir empfanden erneut ein Hungergefühl und fuhren in die Stadt in ein angenehmes Hotel um dort zu essen. Dort trafen wir die restlichen Deutschen, die leider keine Zeit für den Strand hatten. Im Hotel konnten wir für wenig Geld sehr luxuriös essen. Ich aß Tilapia, wirklich sehr empfehlenswert. Wir saßen draußen mit Blick auf den Pool und dem Viktoriasse, von schönen Felsen umgeben.

Heute fand eine sehr feierliche Zeremonie statt, um das neue Akademische Jahr zu eröffnen. Sie war angesetzt um 9h Morgens und begann jedoch erst um halb 10. Die leicht kitschig geschmückte Tribüne vom Fußballplatz fungierte als Bühne, während sehr dürftige Zelte, unter denen weiße, frisch geputzte Gartenstühle zum sitzen auf dem Fußballplatz aufgebaut waren.  Die Zelte sahen aus, als würden sie jede Minute umkippen, wenn einer z.B. laut niest. Glücklicherweise hielten sie stand. Zunächst gab es einen feierlichen katholischen Gottesdienst, in dem ein Chor wirklich schön sang. Es wurde geklatscht und getanzt. Danach begann der offizielle Teil: Studenten, Dozenten und Staff-Mitglieder wurden begrüßt und die wichtigsten Menschen vorgestellt. Wer gehörte noch zu den wichtigsten Menschen? Ja klar: wir!!! Wir wurden vom Präsidenten der Uni aufgerufen und mussten uns vor der gesamten Studentenschaar auf Kiswahili vorstellen. Oh man, war das PEINLICH!!!  Er sagte noch, dass die anderen von uns lernen könnten und wir von denen etc. Ich persönlich hab mich sehr geehrt gefühlt, aber es hätte nicht sein müssen. Nach der Peinlichen Vorführung hörten wir diverse Reden zum Thema effektiven Lernen. Es waren einige gute Redner dabei, aber auch sehr ermahnende Worte. Wir sollen Englisch in der Universität sprechen, diszipliniert sein, Bücher als Freunde haben und Ähnliches. Insgesamt eine interessante Veranstaltung, nur leider viel zu lang. Sie ging bis halb drei und es war wirklich sehr ermüdend sich das alles in der Hitze anzuhören. Einige Studenten und sogar Dozenten schliefen. Zum Schluss wurden alle zum Essen eingeladen. Stellt euch vor, in Deutschland würde jeder einzelne Student an der Uni ein Mensa-Essen Geschenkt bekommen! Undenkbar! Ich hab mich sehr darüber gefreut und es war durchaus schmackhaft.
Es gibt noch so viel zu erzählen! Wir lernen so viele neue Leute kennen und wirklich JEDER ist an uns interessiert. Wir unterhalten uns stets mit anderen Studenten und sogar Dozenten. Sie freuen sich immer, wenn man ein paar Worte auf Swahili sagt. Tiefere Diskussionen werden auf Englisch durchgeführt. Ich wurde schon oft über Deutschland ausgefragt, über Politik, Gesellschaft, Wetter, Essen, ob wir in Deutschland auch Stämme haben etc. Die Kulturellen Unterschiede zu Tanzania sind riesig. Es quasi unmöglich in Tanzania eine FKK-Kultur auszuleben. Auch ist es hier nicht selbstverständlich Elektrizität zu haben wenn es regnet (kommt vor) und gesundheitliche Versorgung bekommt man nur, wenn man vorher bezahlt. Psychische Krankheiten wie Depressionen sind nicht besonders bekannt oder nicht vorhanden. Behandlungsmethoden gibt es nicht. Man weiß es nicht genau aber hat schon mal von gehört.

Ich wurde unter anderem gefragt, wie das mit der Sprache ist. Sprachlich komme ich gut zurecht. Ich pflege auf Englisch zu kommunizieren. Begrüßen, mich vorstellen, verabschieden und Essen bestellen kann ich auf Swahili (oder Kiswahili auf der Landessprache). Komischerweise habe ich kein Problem mit dem tansanischen Dialekt, wenn ich mit den Einheimischen englisch spreche. Man hört ihn teilweise sehr stark, besonders außerhalb der Universität. Das „R“ wird z.B. ausgesprochen wie ein „L“. Einige sind der englischen Sprache überhaupt nicht mächtig, aber mit denen hatte ich noch keinen Kontakt.

Bin schon gespannt auf die Kurse. Morgen wird sich heraustellen, welche ich nehme und wann sie stattfinden.


To be continued :)

Freitag, 1. Oktober 2010

Bomba!

Guter Tag! Ich bin aufgestanden und es begrüßte mich die Sonne. Es folgten eine warme Dusche (hier ist es nicht selbstverständlich) ein schöner heißer Tee und eine tansanische Spezialität zum Frühstück. Ich aß Zambuza, eine Dreieckige Teigtasche frittiert mit Hackfleisch gefüllt. Es ist gewöhnungsbedürftig eine solch reichhaltige Hackfleischecke am Morgen zu essen. Leider war der Obstsalatschneider noch nicht da, also entschied ich mich dafür. Man kann sonst für 25ct einen frischgeschnittenen Obstsalat mit Bananen (die ich hier leider auch nicht mag), Gurken (das ist neu für mich), Wassermelone (ok das ist üblich) und Ananas bekommen. Der schmeckt wirklich ganz gut, doch muss man aufpassen, dass der Obstsalatschneider kein Salz rüber streut. 

Dann folgte die Stunde der Wahrheit, wir fuhren zum Flughafen. Und tatsächlich- Mein Koffer war wieder da. Ich habe mich so gefreut. Ich habe meinen Koffer umarmt, was zu Erheiterung der umher stehenden Leute führte.  Sakina hat sehr herzlich gelacht. Sie machte mich lachend nach, wie ich die Leute gestern anschrie. Die vom luggage-service fragten mich gestern nach derm Aussehen meines Koffers: „What ist the dominant colour?“ und ich antwortete „Black with flowers“. Nerviger weise fragten sie mich immer wieder, was die dominante Farbe ist. Denn es war nicht möglich „black with flowers“ auf dem Formular anzukreuzen. Schwierig, schwierig.  Mich hat das gestern ziemlich aufgeregt. Das hätte man filmen müssen.
Wir erfuhren, dass der Koffer versehentlich nach der Ankunft in Mwanza zurück aufs Gepäckband gelang und unter anderem nach Kairo geflogen wurde. Ich bin ein bisschen neidisch auf meinen Koffer, denn er hat fast ganz Afrika bereist.

Eben habe ich beim Mittagessen einen Herrn kennengelernt, der mir erzählte, dass er Gastdozent hier ist. Er aß auf ziemlich unappetitliche Weise zwei Fischköpfe (eine Delikatesse hier, die gerne von einflussreichen Menschen gegessen wird, oder von welchen, die denken, dass sie einflussreich sind). Nur so nebenbei: Ich werde ausgelacht, wenn ich an der Kantine Fisch bestelle und nicht den Kopf möchte. Heute gaben sie mir die hintere Flosse, was hier wohlmöglich auch gerne gegessen wird. Ich muss den noch beibringen, dass ich am liebsten den Mittelteil esse. Zurück zu dem vermeintlich einflussreichen Mann. Er war sehr interessiert in was ich hier mache und was meine zukünftigen Pläne sind. Das Gespräch war wirklich interessant und wir sprachen unter anderen über Probleme in Afrika, wie zum Beispiel die hohe Vergewaltigungsrate in Südafrika. Er lobte mein Englisch und fragte, wo ich das gelernt hätte. Hier sind die Leute sehr kommunikativ und offen, im Gegensatz zu denen in Deutschland. Er war verwundert, dass ich nicht verheiratet bin, denn offensichtlich hat ein Ring am linken Ringfinger hier die Bedeutung eines Eherings (dort trage ich zurzeit einen aus modischen Gründen).  Er erzählte mir, dass alle Männer einen Bogen um mich herum machen werden, wenn ich ihn dort behalte. Ich sagte: „Sehr gut, dann lasse ich ihn dort.“ Das fand er ziemlich lustig. Er war auch echt verwundert darüber, dass wir Deutsche nicht so viele Kinder bekommen. Er hat gelacht, als ich ihn erzählte, wie viel Kindergeld man bekommt. Er meinte, wenn er in Deutschland wär, wär er ein reicher Mann (vermutlich hat er schon viele Kinder oder würde viele erzeugen wollen). Anscheinend hat er keine Vorstellung, wie teuer ein Kind in Deutschland ist…

Gleich werden wir uns einschreiben. Wenn das auch klappt, war das ein sehr erfolgreicher Tag!