(geschrieben am 4.10.)
Gruß nach Deutschland! Ach ja, und Gruß an Freunde, die sich in anderen Ländern befinden! In den letzten Tagen hatte ich keine Zeit meinen Blog weiterzureiben und mein prepaid Internetstick ist leider schon aufgebraucht, deswegen kann ich nur sporadisch surfen.
Danke übrigens für jegliche Rückmeldung, dies ermuntert mich weiterzuschreiben.
Also über das Wetter kann ich überhaupt nicht klagen. Es ist hier meist sonnig und warm, so dass ich stets mit sommerlicher Kleidung herumlaufe. Jedoch lasse ich einige meiner Kleidungsstücke in meinem Kleiderschrank, denn ich habe festgestellt, dass es hier überhaupt nicht üblich ist, mit kurzer oder ausgeschnittener Kleidung herauszugehen. Nur in touristischen Ecken, wie z.B. der Tunsa-Lounge ist es „erlaubt“ (dazu später).
Ich wurde öfters nach dem Essen gefragt. Meistens gehen wir in die Cafeteria, nahe unserer jetzigen Bleibe. Die Cafeteria hat den ganzen Tag geöffnet, von 7:30 bis 21h. Es gibt den erwähnten Obstsalat und verschiedene Snacks (Chapati=ähnlich wie Pfannkuchen, Zambuza (s.u.) und andere fritterte Teigwaren, die ich aber nicht besonders lecker finde). Darüber hinaus können wir warme Mahlzeiten genießen. Als Hauptbestandteil der Mahlzeit sind mehrere Kohlenhydratlieferanten verfügbar (Reis, Kochbananen, Ugali=gewürzter Reis und manchmal Kartoffeln). Dazu ist wählbar Fisch (frittiert, sehr lecker), Rindfleisch (gekocht in leckerer Soße) und Huhn, welches ich aber nicht gerne esse, da es zu trocken ist. Als Beilagen gibt es Bohnen, Soße, Spinat und Kohl. Man gibt nicht mehr aus als 60ct für eine Mahlzeit. Typisch sind auch „Chips mayai“, welche wir als Pommes in Rührei bezeichnen. Die muss ich noch probieren, da sie sogar von Deutschen als lecker beschrieben wurden.
Wenn uns das hier verfügbare Essen zu langweilig wird, fahren wir in die Stadt. Dort findet man europäische Kost, jedoch mindestens fünf Mal so teuer, was aber im Vergleich zu Deutschland sehr günstig ist. Kulinarisch bin ich sehr zufrieden. Ich genieße die Scharfen Soßen und exotischen Gewürze. Immer wenn wir in der Stadt sind, esse ich eine Mahlzeit mit Fisch (Tilapia, aus dem Viktoriasee) oder mit Shrimps. Das ist sooo lecker und günstig! Das werde ich bestimmt vermissen, wenn ich wieder in Deutschland bin. Aber es geht auch anders herum. Aktuell fehlt mir Kaffe!!! Den gibt es hier nicht einfach so zu kaufen, jedenfalls nicht an der Uni. Horrible!!! Aber ich habe mich bereits dran gewöhnt einen Chai-Tea zum Frühstück zu trinken.
Am Wochenende haben wir gelebt wie Urlauber. Freitag waren wir in einem Club Tanzen und wir hatten sooo viel Spaß! Wirklich bewundernswert, wie die hier Tanzen können. Leider muss ich mich dran gewöhnen, dass die Männer hier recht Penetrant sein können. Zum Glück kann ich NEIN sagen, in mehreren Sprachen.
Samstag versuchte ich meinen Studentenausweis abzuholen. Ich fuhr allein mit dem Daladala zum Main-Campus, da Moni und Jakob noch schlafen wollten. Als ich ankam, stellte ich fest, dass Monis und Jakobs schon vom sogenannten „Dean of Students“ unterschrieben waren, meiner jedoch nicht. Pole-Pole… Nach einigen Diskussionen konnte ich die fertigen Ausweise mitnehmen.
Am Nachmittag war ich noch mit anderen Deutschen Mädels Shoppen. Da die Drei bald fahren, wollten die Mädels viele Souvenirs kaufen. Es war echt aufregend auf dem Markt in der Innenstadt. Ganz anders als in Deutschland. In Deutschland würde nie jemand neben einem Müllhaufen Gemüse auf dem Boden verkaufen. Echt unappetitlich!!! In einer Halle befanden sich viele Stände mit handgearbeiteten Dingen. Trommeln, Figuren in Form von Elefanten oder anderen Tieren, Schmuck oder nützliche Dinge, wie Töpfe oder Trichter. Es war interessant zu sehen, dass Müll in Tansania nicht gleich Müll ist. Sie bauen zum Beispiel diese Trichter aus Cola-Dosen. Während die Anderen sich mich vielem Afrikanischen Schnick-Schnack eindeckten, entschied ich mich für einen schönen Brieföffner mit Elefantenkopf aus Holz, einige Ohrringe, ein Armband aus Giraffenhaar, ein Tuch und eine Schildkröte als Briefbeschwerer. Im Vergleich zu den Anderen war das wenig.
Was haben wir noch tolles erlebt? Also schön war die oben erwähnte Tunsa-Lodge. Dort waren wir am Sonntag. Die Tunsa-Lodge ist ein Resort, an dem sich viele Touristen befinden. Dies Resort verfügt über einen sehr gemütlichen Strand. Wir aßen etwas zum Mittag und sonnten uns. Ob wir auch schwimmen waren? Nein, leider nicht. Zwar ist es erlaubt im Lake Victoria zu schwimmen, jedoch nur auf eigene Gefahr. Ich las von diversen Krankheiten, die man sich dort einfangen kann.
Gegen 18h sahen wir uns die Sonne an, die im Viktoriasee verschwand und einen wunderschönen Himmel bat. Wir empfanden erneut ein Hungergefühl und fuhren in die Stadt in ein angenehmes Hotel um dort zu essen. Dort trafen wir die restlichen Deutschen, die leider keine Zeit für den Strand hatten. Im Hotel konnten wir für wenig Geld sehr luxuriös essen. Ich aß Tilapia, wirklich sehr empfehlenswert. Wir saßen draußen mit Blick auf den Pool und dem Viktoriasse, von schönen Felsen umgeben.
Heute fand eine sehr feierliche Zeremonie statt, um das neue Akademische Jahr zu eröffnen. Sie war angesetzt um 9h Morgens und begann jedoch erst um halb 10. Die leicht kitschig geschmückte Tribüne vom Fußballplatz fungierte als Bühne, während sehr dürftige Zelte, unter denen weiße, frisch geputzte Gartenstühle zum sitzen auf dem Fußballplatz aufgebaut waren. Die Zelte sahen aus, als würden sie jede Minute umkippen, wenn einer z.B. laut niest. Glücklicherweise hielten sie stand. Zunächst gab es einen feierlichen katholischen Gottesdienst, in dem ein Chor wirklich schön sang. Es wurde geklatscht und getanzt. Danach begann der offizielle Teil: Studenten, Dozenten und Staff-Mitglieder wurden begrüßt und die wichtigsten Menschen vorgestellt. Wer gehörte noch zu den wichtigsten Menschen? Ja klar: wir!!! Wir wurden vom Präsidenten der Uni aufgerufen und mussten uns vor der gesamten Studentenschaar auf Kiswahili vorstellen. Oh man, war das PEINLICH!!! Er sagte noch, dass die anderen von uns lernen könnten und wir von denen etc. Ich persönlich hab mich sehr geehrt gefühlt, aber es hätte nicht sein müssen. Nach der Peinlichen Vorführung hörten wir diverse Reden zum Thema effektiven Lernen. Es waren einige gute Redner dabei, aber auch sehr ermahnende Worte. Wir sollen Englisch in der Universität sprechen, diszipliniert sein, Bücher als Freunde haben und Ähnliches. Insgesamt eine interessante Veranstaltung, nur leider viel zu lang. Sie ging bis halb drei und es war wirklich sehr ermüdend sich das alles in der Hitze anzuhören. Einige Studenten und sogar Dozenten schliefen. Zum Schluss wurden alle zum Essen eingeladen. Stellt euch vor, in Deutschland würde jeder einzelne Student an der Uni ein Mensa-Essen Geschenkt bekommen! Undenkbar! Ich hab mich sehr darüber gefreut und es war durchaus schmackhaft.
Es gibt noch so viel zu erzählen! Wir lernen so viele neue Leute kennen und wirklich JEDER ist an uns interessiert. Wir unterhalten uns stets mit anderen Studenten und sogar Dozenten. Sie freuen sich immer, wenn man ein paar Worte auf Swahili sagt. Tiefere Diskussionen werden auf Englisch durchgeführt. Ich wurde schon oft über Deutschland ausgefragt, über Politik, Gesellschaft, Wetter, Essen, ob wir in Deutschland auch Stämme haben etc. Die Kulturellen Unterschiede zu Tanzania sind riesig. Es quasi unmöglich in Tanzania eine FKK-Kultur auszuleben. Auch ist es hier nicht selbstverständlich Elektrizität zu haben wenn es regnet (kommt vor) und gesundheitliche Versorgung bekommt man nur, wenn man vorher bezahlt. Psychische Krankheiten wie Depressionen sind nicht besonders bekannt oder nicht vorhanden. Behandlungsmethoden gibt es nicht. Man weiß es nicht genau aber hat schon mal von gehört.
Ich wurde unter anderem gefragt, wie das mit der Sprache ist. Sprachlich komme ich gut zurecht. Ich pflege auf Englisch zu kommunizieren. Begrüßen, mich vorstellen, verabschieden und Essen bestellen kann ich auf Swahili (oder Kiswahili auf der Landessprache). Komischerweise habe ich kein Problem mit dem tansanischen Dialekt, wenn ich mit den Einheimischen englisch spreche. Man hört ihn teilweise sehr stark, besonders außerhalb der Universität. Das „R“ wird z.B. ausgesprochen wie ein „L“. Einige sind der englischen Sprache überhaupt nicht mächtig, aber mit denen hatte ich noch keinen Kontakt.
To be continued :)
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