Kaddy in Tanzania vom 26.9.2010 bis 11.3.2011

Mittwoch, 13. Oktober 2010

Pole-Pole?


Also wie ich in vorigen Einträgen schon mehrmals erwähnte, sind in diesem Land mehrere Gegensätze zu beobachten. Im Allgemeinen geht es dank der Pole-Pole Philosophie der Tansanier recht entspannt zu. Wenn etwas lange dauert, z.B. an der Kasse und sich ein Europäer darüber aufregt, dass er seine Wertvolle Zeit damit verschwenden muss, an der Kasse zu warten hört man einen Tansanier „Pole-Pole“ sagen. Dieser Spruch ist die Antwort auf alles. Elektrizität geht nicht? „Pole-Pole“. Kein fließendes Wasser?!?! „Pole-Pole“. Keine Aufregung und keine Hektik. Unser Nachbar, ein Gastdozent aus Benin (kleines westafrikanisches Land), der nun aber in einer Universität in Italien beheimatet ist, ärgert sich oft über diese Philosophie. Er meint, in Europa habe er gelernt, seine Zeit sinnvoll einzusetzen und effektiv zu nutzen. Er regte sich heute darüber auf, dass er 20 Minuten gebraucht hat sich lediglich Guthaben für sein Handy zu kaufen. Die Kassiererin soll sich anscheinend so langsam bewegt haben wie eine Schildkröte. Als er sich ärgerte sagte eine umher stehende Nonne „Pole-Pole“ um ihn zu beruhigen. Das hat ihn anscheinend noch mehr auf die Palme gebracht. Man kann nicht alles mit diesem Spruch besänftigen. Wie soll sich dieses Land entwickeln, wenn alles so langsam von Statten geht??
Die Arbeitseinstellung der Tansanier ist äußerst seltsam. Offensichtlich ist es erlaubt, zu arbeiten wenn man Lust hat. Die Büros in der Uni haben manchmal nicht geöffnet und man weiß nicht warum. Es kommen antworten wie: Es gab eine Zeremonie, Stromausfall etc. Aber wozu Strom, wenn eh alles mit Zettel und Stift funktioniert?? Einer in der Cafeteria, der dafür zuständig ist, die Obstteller einzusammeln, hält auch gerne mal ein Nickerchen im Schatten. Es interessiert auch überhaupt keinen, wenn die herumliegenden Teller Überhand nehmen.
Komischerweise gibt es aber Situationen, in denen es sehr schnell gehen muss. Wie ich letztens schrieb, ist es möglich, nach einer kurzen Konversation im Dala-Dala befreundet zu sein. Auch eine Beziehung beginnen kann so schnell gehen (wurde mir erzählt).

Vor einiger Zeit bauten Arbeiter an einem Dach eines Seminarhauses. Dieses musste schnell fertig werden, damit gewisse Vorlesungen stattfinden konnten. Dieses Haus ist nicht weit von meinem Guesthouse entfernt, so dass ich immer hören konnte, dass sie da hämmerten. Manchmal arbeiteten die armen Bauarbeitet bis tief in die Nacht (3 oder so). Da war kein Pole-Pole angesagt. Wahrscheinlich hat der Präsident Druck gemacht. Vor zwei Tagen war es dann fertig. Als ich dann auch ein Seminar zum Thema Ethik in dem Gebäude besuchen wollte, traute ich meinen Augen nicht. In Deutschland hätten sie aus Sicherheitsgründen keinen einzigen Studenten hineingelassen. Es lagen Steine herum, zwei Gerüste aus Holz, die aussahen, als ob sie bei der kleinsten Erschütterung zusammenbrechen würden. Keinen hat diese furchtbare Lernsituation gestört. Anscheinend waren die Arbeiter zu faul, die Dinge nach Beendigung der Dacharbeiten wegzuräumen. Wenn ich den Präsidenten der Uni begegne werde ich ihn mal fragen was da los ist. Ich vermute, dass er über die Umstände nicht Bescheid weiß.

Na ja der Tag begann komisch. Ich wachte auf und wollte duschen. Leider gab es kein fließendes Wasser. Nun wusste ich endlich über welchen Zweck der riesige Wasserbottich in meinem Bad verfügt. Ich fand ein kleines Eimerchen, mit dem ich Wasser über meinen Körper gießen konnte. Ziemlich gute Erfahrung, sich mal so zu waschen…
Gestern und vorgestern hatten wir einige Stunden Stromausfall. Die Cafeteria konnte trotz dem Essen anbieten, da dort noch mit Kohle und Feuer gekocht wird. Anstatt Glühbirnenlicht gab es in den dunklen Stunden Kerzen, die Licht zum Essen spendeten.

Heute Abend gehen wir ins Hotel Tilapia um zu essen. Darauf freu ich mich schon. Ich werde keinen Reis und keine Bohnen wählen! Bis bald.

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