Die letzten Tage waren echt sehr erfolgreich. Ich komme nach und nach immer besser mit der Sprache und den Vorlesungen zurecht. Mittlerweile wurde auch endlich die schreckliche Konstruktion aus dem einen Seminarraum entfernt. Allerdings betrachte ich die Lernsituation im M9 immer noch als äußerst gefährlich. Komischerweise sind alle Studierenden besonders heiß darauf, ganz vorne zu sitzen, um alles verstehen zu können. Um dies zu erreichen warten sie einige Minuten bis sie rein dürfen. Wen die davor stattfindende Vorlesung endet, wartet keiner, bis die Vorigen Seminarteilnehmer den Raum verlassen haben, sondern es herrscht ein furchtbares Gewusel, auf Grund von herein- und herausdrängelnden Menschen. Es gibt auch keinen wirklichen Durchgang, es wird einfach über Stühle und Tische gestiegen. Na ja… Und im Seminar herrschten Verständigungsprobleme. Die Dozentin kam aus Kenia und hat einige Wörter anders ausgesprochen, als Tansanier. Wörter wie „age“ mussten buchstabiert werden. Für mich war das sehr komisch, denn ich hab wirklich keinen Unterschied gehört. Für meine Ohren sind alle Dozenten gleich schwer zu verstehen.
Zurück zu den erfolgreichen Dingen. Ich bin mir nun sicher, was für ein Thema ich in der Bachelorarbeit nehmen möchte. Es hat was mit Tansania zutun, ich verrat aber noch nicht alles. Habe schon in Vechta erfragt, ob das möglich ist. Jetzt bin ich sehr glücklich, ein Thema gefunden zu haben, dass mir Spaß macht.
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| Das Spiel* |
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| Moni und Yanga-Fans |
Gestern haben wir ein Fußballspiel besucht. Das Stadion war nicht zu vergleichen mit denen in Deutschland. Wir mussten uns an eine riesige Schlange anstellen. Wer vorgedrängelt hat, erhielt wenn er Pech hatte Hiebe mit dem Schlagstock von der Polizei, welche meiner Meinung nach eine viel zu kleine Präsenz hatte. Zunächst ist alles gut gegangen. Das Spiel begann… Nicht besonders anspruchsvoll aber trotz dem unterhaltsam. Ich entschied mich spontan, „Yanga“ zu supporten (Yanga steht für young africans). Die waren mir sympathisch und außerdem saßen wir in deren Block. Es waren von beiden Teams schätzungsweise gleich viele Fans da. Es ist schwer zu sagen, welches nun die Heimmannschaft war, denn beide Teams kamen aus Dar es Salam und das dafür vorgesehene Feld wurde umgebaut. Erste Halbzeit vorbei… Ermüdent… Simba hatte viele Chancen, da die Verteidigung von Yanga echt Defizite hatte. Der Keeper hatte aber zum Glück alles im Griff. In der zweiten Halbzeit schaffte es mein Lieblingsteam ein Tor zu schießen (Genau wie Hamburg gestern. Es war ein wirklich guter Tag, HSV und Younga gewannen. Meine Laune war wunderbar!). Die Leute sind ausgerastet vor Freude. Mehr Tore fielen nicht. Ich war wirklich froh, dass wir bei der gewinnenden Mannschafft saßen. Nach Abpfiff sind die Leute einfach über die dürftigen Absperrungen gehüpft und über das Spielfeld gerannt.
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| Alles außer Kontrolle |
Letztens habe ich auch eine gute Taktik angewandt, um Jemanden zu zeigen, dass er meine Nummer wirklich nicht bekommt. Ich saß da und einer fragte mich aus, woher ich komme, was ich mache etc. das übliche eben. Nach drei Minuten die Frage, ob er meine Nummer haben kann. Ich sagte nein. Wir unterhielten uns weiter und dann holte er Zettel und Stift raus und sagte, ich solle doch meine Nummer aufschreiben. Da er offensichtlich was an den Ohren hatte, schrieb ich auf das Papier: „I’m sorry, I DON’T give you my number!!!“ Haha sein Gesichtsausdruck war echt gut, als er das las.
Zurück zu gestern. Um drei wollte ich schlafen, konnte aber nicht. Ich entdeckte einen kleinen Besucher an meinem Mückennetz (von innen). Anscheinend wollte ein kleiner Gecko bei mir übernachten. Ich kannte ihn schon, der wohnt in meinem Zimmer. Habe ihm das erlaubt, weil er nämlich ein guter Insektenfänger ist. Den musste ich dann schnell verscheuchen. Mitbewohner ja- aber im Bett schlafen- nein! Ausschlafen war nicht möglich. Die Gottesdienste, die hier über den Campus verteilt stattfinden, sind zu laut. Tansanier lieben es Lärm zu machen und nicht-isolierte Häuser zu bauen. Beides in Kombination bedeutet wenig Schlaf für Kaddy…
Heute sind wir bei einer Verwandten von Octa eingeladen. Er hat sie uns als seine Sister vorgestellt, aber Sister und Brother kann jeder sein. Bestimmt ist es eine Cousine. Denn letztens hat mir einer auch seinen „Bruder“ vorgestellt und es war in Wirklichkeit sein Cousin. Im Verlaufe des Gesprächs stellte sich nämlich heraus, dass die beiden weder die gleiche Mutter noch den gleichen Vater hatten, aber die Väter Brüder seien. Also habe ich mir angewöhnt gleich nachzufragen ob es wirklich ein „Bruder“ ist. Man kann hier einfach jeden so nennen. Bedienungen, Angestellte am Flughafen (Sakina nannten den einen Gepäckfritzen immer Kaka**) etc. Gestern beim Fußballspiel habe ich den kleinen Jungen, der Nüsse als Snacks verkauft hatte auch mit Kaka hergerufen. Er hat das sofort verstanden. Man darf hier auch jeden Mama oder Baba nennen, wenn die Leute älter sind (z.B. die Friseurin Mama-Junior). Na ja zurück zu den Plänen des heutigen Tages. Eingeladen zum Mittagessen bei Sonja und zum Abendessen bei Nonnen, die Jakob irgendwoher kennt. Wird bestimmt nett. Ich mag Sonntagseinladungen. Letzten Sonntag waren wir bei Maria-Salome eingeladen, der Frau von George (mein Kiswahili-Dozent, der sich jetzt wieder in Deutschland befindet). Die beiden Töchter waren echt süß! Georgette und Georgina (so heißen die Beiden glaub ich. Btw: es ist üblich die Töchter nach dem Vater zu benennen. Wenn ich mich vorstelle, werde ich auch häufig gefragt, ob Katharina der Name meines Vaters sei) haben sich riesig über die Schokolade und Süßigkeiten gefreut, die wir mitgebracht haben. Sie sagten immer „Schockschockschock“. Süß!!
So ich trink dann noch einen Kaffee (juhu ich hab nämlich nun welchen) und mach mich für die Einladung fertig. Bis bald!
*Vom Berg aus haben auch noch welche zugeguckt
** Bruder auf Kiswahili
*Vom Berg aus haben auch noch welche zugeguckt
** Bruder auf Kiswahili




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