Viele Grüße aus Bukoba. Dies ist eine kleine Stadt nördlich des Viktoriasees. Hier sind wir gestern inn aller früh in ein schönes Kolping-Hotel eingecheckt. Ich sitze gerade auf dem Balkon und genieße die Sonne und den wunderschönen ausblick. Es ist mal wieder schön, ein bisschen Urlaubs-feeling zu haben. Die Uni ist für mich mittlerweile sehr anstrengend geworden. Ich meine nicht, dass ich es anstrengend finde, meine Vorlesungen zu besuchen oder die Aufgaben zu erledigen, sondern eher, dass mich die gesamte Studiensituation der Studenten mitnimmt. Ich frag mich, wie die in den Zuständen studieren können. Gruppendiskussionen finden meistens draußen im Garten statt ohne Tische zum schreiben, ohne Laptops und Internetverbindung. Wenn es spät wird und der Strom ausfällt, können sie in die Vorlseungsräume gehen, falls Generatoren vorhanden sind. Dort kann man meiner Meinung aber aus Strukturellen Gründen auch nicht vernünftig in einer Gruppe kommunizieren. Dann die Bibliothek… es gibt so wenig Bücher und unbequeme Stühle etc. W-lan funktioniert nur manchmal. Nur die wenigsten haben einen Laptop. Und mich macht es so traurig, was die Studenten glauben zu wissen. Ich fragte mich zum Beispiel, woher ein Student die Information hatte, dass Adolf Hitler der Begründer von BMW war. Das glaubte der arme Mensch wirklich. Und er hat Hitler für seine ökonomische Macht und wirtschaftlichen Aufschwung verehrt und wusste nicht, dass er Völkermord begangen hat. Ich wollte das erst nicht in meinen Blog schreiben, weil es nicht meine Absicht ist, dass ihr denkt, dass alle hier so sind. Hoffentlich ist diese Person eine Ausnahme.
Eine Vorlesung in Ethik hat mich auch ziemlich runtergezogen, welche um Schutz vor Aids ging. Eine Gruppe hatte die Aufgabe, Empfehlungen an die SAUT-Studenten zu formulieren, wie man sich vor Aids schützen kann. Vorschläge wie Sport (weil man dann ja zu müde für Sex ist) oder Verzicht auf Alkohol wurden ausgesprochen. Das wesentliche wurde von den Studenten weggelassen aber glücklicherweise von der Dozentin ergänzt. Ansonsten hätte ich es als meine Aufgabe gesehen, nachzufragen.
Solche Erlebnisse bringen mich immer zum Nachdenken und machen mich traurig. Ich lerne dann, wie gut wir es eigentlich haben. Für mich ist es ok an der SAUT zu studieren, weil ich ein schönes Zimmer, Privatsphäre, Sicherheit, meinen Laptop, Internet etc. habe. Aber ich bin so schockiert, wie einige Leben. Studenten wohnen zu zweit oder mehr in wirklich kleinen Zimmern. Aber für die ist das voll ok, die sind glücklich, auch wenn sie mit einem Gaskocher auf dem Boden kochen. Die arrangieren sich und finden das normal. Es wird als seltsam empfunden, wenn wir erzählen, dass sich Studenten in Deutschland keine Zimmer teilen.
So, nun aber zurück nach Bukoba. Gestern Abend um 9 stiegen wir fünf (Jacob, Martin, Moni, Ida und ich) in unsere Fähre und haben eine erste-Klasse Kabine bezogen. Zweite und dritte Klasse waren einfach mal abgeschottet. Moni, Ida und ich haben uns eine Kabine für 2 geteilt, weil keiner von uns in einer Kabine mit einer Fremden Frau schlafen wollte. Ich schlief in einem ziemlich kleinen Bett zusammen mit Moni. Das war ziemlich warm aber ok. Mich hat viel mehr die Lampe direkt vor unserer Kabine und das furchtbar laute Motorengeräusch gestört. Um 6h morgens kam unser Schiff an und wir sind im übermüdeten Zustand vom Taxifahrer zu unserem schönen Hotel gebracht worden. Das Frühstück war soooo lecker. Endlich mal was anderes als Chapati und Zambuza, dachte ich mir. Es gab getostetes Toast (sehr schwer zu finden in diesem Land) mit Mamelade, spanischem Omlett und Speck, Kaffe, Saft, frische Früchte etc. Wir waren so albern, vielleicht wegen unserer Übermüdung. Ich habe viel gelacht… Wir aßen so viel, bis sich die Bedienung irgendwann geweigert hat, neue Ananas zu bringen. Das gleiche ausgiebige Frühstück hatten wir heute Morgen und werden wir morgen nochmal haben. Ich freu mich schon, auch wenn wir morgen um 5h aufstehen müssen, um unseren Bus zu bekommen. Leider geht keine Fähre sonntagabends. Zu unseren Aktivitäten hier: viel ausruhen, Karten spielen und Ausflüge. Gestern waren wir in einem Museum mit schönen Naturfotografien und heute fahren wir mit dem Schiff zu einer kleinen Insel. Ich mag kleine Inseln und Schifffahrten, wenn ich nicht gerade wegen meiner Hautfarbe diskriminiert werde. In dem Museum habe ich gestern eine schöne Handtasche gekauft, die von Behinderten hergestellt wurde. Das aht mich glücklich gemacht, eine neue Tasche für einen guten Zweck :o)
So ich schreibe so bald wie möglich, wie der Ausflug war und lade ein paar Bilder hoch, versprochen.
Bye und viele Grüße von einer sehr einspannten Kaddy, wohl gesättigt von dem besten Frühstück im ganzen Land …
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