Hi,
dieser Blogeintrag wird ohne jegliche Bilder veröffentlicht, da wir nun alle gemeinsam um meine Digitalkamera trauern sollten. Am Samstag den 9.11. war ich mit meiner Handtasche im Club und habe ein bisschen getanzt. Währenddessen schlitzte jemand meine Tasche mit einer Rasierklinge auf, ohne dass ich es bemerkte. Leider wurden mir auf diesem Weg meine Kamera und mein Portemonnaie gestohlen. Zum Glück hatte ich nur Geld bei mir und keine Dokumente. Bitte keine Ratschläge oder „hättest Du doch lieber“-Sprüche… ich weiß schon…
Lasst mich mit schöneren Geschichten fortfahren. Ich war am Freitag den 13.11. auf einer Hochzeit und es war wirklich sehr interessant. Auf Tansanischen Hochzeiten geht es sehr Kitschig zu. Alles war Pink, Lika und hat geglitzert. Die Geschenke wurden glitzernd in schrillen Farben, die in den Augen weh taten, verpackt. Es wurde im Allgemeinen nie gegangen, sondern nur getanzt. Während in Deutschland in die Kirche geschritten wird, wird hier kollektiv im wahrsten Sinne des Wortes reingetanzt. Der Abend hat mir sehr gefallen und es war eine schöne Erfahrung. Das witzige war, dass wir die Leute nicht mal kannten und trotz dem eingeladen waren.
Also und nun zu meinem Geburtstag. Erst mal DANKE an alle, die an mich gedacht haben. Ich hatte einen wunderbaren Tag, auch wenn nicht alles so geklappt hat wie ich es wollte. Ich habe geplant, dass ich für mich und meine Freunde koche. Es war aber sehr stürmisch und regnerisch, weswegen der Strom überall in der Umgebung ausgefallen ist. Bei Kerzenschein kochte ich dann mit Gas. Leider ist mir nicht alles so gelungen wie ich mir vorgestellt habe. Die Scampis waren gut, die Soße auch sehr lecker, jedoch waren die Nudeln furchtbar. Total überkocht und zusammenklebend. Das ist mir noch nie passiert…
Was gibt es sonst noch zu berichten? Also das Unileben wird schon stressiger. Ich habe schon einige Tests und Präsentationen hinter mir. Ich kann über die Ergebnisse nicht klagen. Ich bin zufrieden. Es ist immer lustig hier in den Vorlesungen und selten langweilig. Ich besuche die Seminare gern, weil ich mich freue, dort meine Freunde zu treffen. Die Studenten sind hier nicht viel anders in ihrem Freizeitverhalten wie wir Deutschen. Jedoch unterscheiden sich viele Ansichten. Sehr konservative Denkweisen kleben in den Köpfen der jungen Leute… Das wird wohl auch noch lange dauern, bis sich das ändert, denn hier ist alles viel langsamer, wie ich ja schon mehrfach erwähnte.
Am Samstag (gestern) war ich bei einer Geburtstagsfeier eingeladen (ich alleine ohne meine deutschen Freunde). Eine Freundin von Joy wollte auf Sanane-Island feiern. Sanane ist eine sehr kleine Insel im Viktoriasee, ziemlich nah an der Küste. Es wurden ein Kuchen, diverser Alkohol und einige Snacks eingepackt. Eingeladen waren etwa 15 Leute. Wir fuhren in einem gemieteten Daladala an den Strand und warteten auf das Boot, welches vom Seefahrerclub des Tilapia-Hotels abfuhr. Wir mussten lange warten und irgendwann erfuhren wir, was das Problem war. Das Personal erzählte dem Geburtstagskind, dass ich einen höheren Preis für die Bootsfahrt zahlen musste. Statt den üblichen Preis von 3000 (was ungefähr so viel ist wie 1,50€) verlangten sie 40 000 tansanische Shillings (ca 20€) von mir, weil ich weiß bin. Ja- die haben das auch wirklich so gesagt: „weil ich ein Mzungu bin“ Ich konnte meinen Ohren nicht trauen. Ich fands auch komisch, dass die sich nicht trauten, mir das direkt zu sagen. Stattdessen, erzählten sie dies meinen Freunden. Das Personal hat sich nicht mal getraut, mir in die Augen zu schauen. Joy hat mich zurückgehalten was zu sagen, weil ich wirklich sehr wütend war. Immer wird von mir erwartet, dass ich viel Geld habe, weil ich Europäerin bin, was unschwer zu übersehen ist. Daraus wird versucht Profit zu schlagen. Manchmal fühle ich mich so, als wäre ich ein laufender Geldschein, weil ich ständig angebettelt werde, oder weil die Leute auf dem Markt versuchen, mir billigen Schnickschnack für unverschämte Preise zu verkaufen. Na ja, jegliche Erklärungen, dass ich eine Studentin bin, wie alle anderen auch, waren zwecklos. Das Ende vom Lied war, dass der Preis runtergehandelt wurde und ich ca. 15 000 Shillings mehr bezahlt habe. Das Argument war, dass die die Insel als Nationalpark verstanden wird und Ausländer für touristische Aktionen mehr bezahlen müssen.
Auf der Insel angekommen habe ich erst mal einen Schock bekommen. Ein riesiges Reptil kam angelaufen und ich musste flüchten. Es sah aus wie ein Krokodil, war es aber nicht. Ich habe leider auch die Bezeichnung von diesem flinken Fieh vergessen. Falls es mir wieder einfällt, werde ich den Namen ergänzen.
Die Feier war sehr nett, aber auch sehr laut. Es wurde wie üblich viel getanzt und gesungen. Es hat so viel Spaß gemacht. Ich war froh, dass ich dabei sein konnte. Natürlich wurde auch erwartet, dass ich tanze -.- Ich hab mein bestes gegeben hehe… Um ca 7h Abends war ich zurück und schon rech müde, weil dieses ganze Gesinge und Getanze der Partygäste echt anstrengend war.
Zurück auf dem Festland gingen Monika, Jokob, Ida und ich noch auf die Soziologie Party. Wir waren total underdressed, weil wir nämlich nicht wussten, dass das als ein Ball verstanden wird. Jeder war total fein gekleidet. Wir hatten extra am Tag zuvor gefragt, was man tragen sollte, und uns wurde gesagt, wir könnten anziehen was wir wollten. Ganz toll… wir sind nicht lange geblieben, weil es irgendwie langweilig war. Stattdessen gingen wir aufs Bonfire, ein großes Lagerfeuer auf dem Fußballfeld. Es war echt schön. Es gab laute Musik und Getränkestände. Wir haben uns viel unterhalten und einige Bekannte getroffen. Allerdings wurde ich schnell müde und bin gegen eins ins Bett gegangen. Mein schlaf war nicht besonders Tief, weil es sehr lange Laut war. Mein Zimmer ist nämlich nicht weit vom Fußballfeld. Denke um ca. vier Uhr hörte die Musik auf zu spielen. Morgens um ca. acht gingen die Gottesdienste los, die sind auch immer sooo laut. Ich habe mich so geärgert, als ich um 11 aufstand und feststellte, dass wieder Stromausfall war. Mein Handy war nicht aufgeladen, was bedeutete, dass dieser Zustand schon länger war. Warum haben wir keinen Strom bzw. keine Generatoren, während die Nachbarhäuser, in denen die Gottesdienste stattfinden immer Elektrizität haben??? Die Boxen, die die lauten Gesänge (bzw. Geschreie) wiedergeben, funktionieren IMMER. Ja- IMMER!!! Auch um Morgens um 7:30. Aber in Vorlesungen irgendwie manchmal nicht, weswegen hin und wieder Veranstaltungen ausfallen. Und es handelt sich um dieselben Gebäude. Ich versteh das nicht. Vielleicht ist Gott so gnädig und schenkt ihnen Strom, wenn sie Gottesdienste feiern wollen.
Na ja ich werde mal mein Zimmer aufräumen. Ich starte die Woche immer gerne geordnet. Bis dann meine Lieben. Grüße aus Afrika
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